Elemente integraler Theorie


AQAL – Alle Quadranten, alle Ebenen, alle Linien, alle Zustände, alle Typen

Hier ein kurzer Überblick über die Elemente des AQAL-Bezugsrahmens.

Quadranten kombinieren zwei der grundlegendsten Unterschiede im Kosmos: innen/außen und individuell/kollektiv. Durch die sich daraus ergebenden vier Schnittflächen erhalten wir das Innere und Äußere des Individuums und des Kollektivs (Ich, Wir, Es, Sie).

Ebenen sind Strukturen höherer Ordnung, die sich entfalten, wenn die Evolution neues Gelände erobert. Diese Strukturen spiegeln Höhen des Bewusstseins wieder (wie egozentrisch, ethnozentrisch, weltzentrisch). Wir sprechen hier manchmal auch von »Stufen« oder »Wellen« des Bewusstseins.

Linien sind spezielle Bereiche, in denen Wachstum und Entwicklung stattfinden können (z.B. zwischenmenschlich, moralisch, musikalisch, die Bedürfnisse betreffend, kognitiv). Wir sprechen hier manchmal auch von »multiplen Intelligenzen« oder »Strömen« von Entwicklung.

Zustände sind vorübergehende, wechselnde und manchmal auch erhöhte Zustände von Gewahrsein (z.B. Wachen, Träumen, Tiefschlaf, meditative Zustände, »Flow-Zustände« und Gipfelerfahrungen).“1

Typen sind horizontale Unterschiede (wie männliche und weibliche Ausdrucksformen, kulturelle Unterschiede oder Persönlichkeitstypen wie im Enneagramm oder in der Myers-Briggs Typologie.“2

Quadranten

Innen – Gedanken, Gefühle, Bedeutungen und meditative Erfahrungen

Außen – Verhalten, Körper und Gegenstände, von außen Wahrnehmbares

Individuen – mit unterschiedlicher Ausprägung und Erfahrungen

Kollektive – gesellschaftliche Systeme und kulturell codierte Gruppen in gegenseitiger Wechselbeziehung und im Austausch

Die vier Quadranten stehen für die Ich-, (Du-)Wir-, Es, Ihr/Sie-Perspektiven im Verstehen der Welt, in der wir leben.

Ebenen des Bewusstseins

Es gibt grundlegende und weiter entwickelte Stufen im Gesamtspektrum von Bewusstsein. Das einzelne Individuum und auch das gesellschaftliche Kollektiv hat die Chance Stufe für Stufe (besser in Wellenbewegungen) zu höheren Ebenen wachsen. vgl. 4

Unterscheidung von Stufen größerer oder geringerer Komplexität und Bewusstheit

Höhere und niedrigere Bewusstheit zeigt sich in Entweder/Oder-Weltsichten (polarisierend) oder Haltungen die Wahrheiten aus verschiedenen Perspektiven und somit abgestuft wahrnehmen und wertschätzen können.

„Alle vier Quadranten zeigen evolutionäre Ebenen. Die linken Quadranten (Ich, Wir) messen Entwicklung in Bezug auf innere Tiefe oder Bewusstheit. Die rechten Quadranten messen Entwicklung in Bezug auf äußere Komplexität. Zunehmende innere Bewusstheit geht im allgemeinen mit zunehmender äußerer Komplexität einher.“6

Ein Mensch befindet sich nur hauptsächlich auf einer Stufe der Bewusstheit. Alle vorhergehenden, grundlegenden Stufen sind integriert. Er fluktuiert um diese hauptsächliche Ebene, bezieht aber benachbarte und im Extrem sogar weiter vorhergehende Stufen in sein Verhalten mit ein. Daher wird es auch als Wellenbewegung gekennzeichnet und weniger als eindeutiges Ebenenverhalten.

Stufen (Ebenen) moralischer Entwicklung (grobe Einteilung)

Egozentrisch – ich/mir/mein selbstbezogene Wahrnehmung, kein Hineinversetzen in die Perspektive anderer Menschen (präkonventionelle Stufe)

Ethnozentrisch – wir/uns/unser bezieht Gruppe, Stamm, Clan mit ein, schließt andere potentiell aus (konventionelle Stufe)

Weltzentrisch – wir alle/alle von uns/unser aller schließt Fürsorge und Interesse an allen
Menschen mit ein (postkonventielle Stufe)

Kosmozentrisch – der gesamte fühlende, sich entfaltende Kosmos Identifikation mit allen fühlenden Wesen und Einbezug in die Fürsorge (vgl.7).

Entwicklungslinien

Das Bewusstsein entwickelt sich nicht in allen Bereichen gleichmäßig, es können zahlreiche Entwicklungslinien unterschieden werden, in denen Wachstum relativ unabhängig geschieht.

Hauptentwicklungslinien (und zugehörige Lebensfragen) sind z.B.:

Kognitive Linie

  • Kognitive Fähigkeiten (Was erkenne ich?) grundlegende Fähigkeit verschiedene Perspektiven einzunehmen

Auf das Selbst bezogene Linien

  • Bedürfnisse (Was braucht das Individuum?)
  • Ich-Identität (Wie erkennt das Individuum sich selbst?)
  • Werte (Was ist wesentlich für das Individuum?)
  • Moral (Wie handelt das Individuum richtig?)

    Die Entwicklung in diesen Linien verläuft meist synchron.

Linien der Talente

  • Kinästhetik (Wie werden Anforderungen körperlich bewältigt?)
  • musikalische, visuell-räumliche, mathematische Talente (Was können wir, was fällt uns leicht?)

    Die Entwicklung von Talenten verläuft weitgehend unabhängig voneinander.

Andere wichtige Linien

  • Ästhetik (Was finden wir schön, was ist attraktiv?)
  • Zwischenmenschliche Beziehungen (Wie sollen wir miteinander umgehen, uns austauschen?)
  • Emotionen/psychosexuelle Linien (Wie empfinde ich etwas?)
  • Spiritualität (Was ist mein höchstes Anliegen?)

    Diese Linien sind entscheidend für die Gesamtreife einer Person oder gesellschaftlichen Gruppe.

(Vgl. Bezug zu dem Begriff der multiplen Intelligenzen nach Howard Gardner, Harvard University)

AQAL kombiniert Ebenen (Wellen) und Linien (Ströme). vgl. 8

Farbspektrum von Weltsichten/Bewusstseinshöhen

Bestimmte Bewusstseinhöhen werden verschiedenen Farben zugeordnet, um den Austausch darüber zu vereinfachen. Es geht hierbei um die „Evolution der Bedeutungsfindung“, d.h. wie Menschen die Welt verstehen.

Farbzuordnung nach integraler Theorie von Wilber und Beck/Cowan (Spiral Dynamics – eingetragenes Warenzeichen im National Values Center, Inc.R)

Infrarot/Beige – Archaische Weltsichten

Es geht ums Überleben und die Beschaffung von Lebensnotwendigem (Nahrung, Wasser, Schutz, Wärme) (Neugeborene und der erste Homo Sapiens).

Magenta/Purpur – Magische Weltsicht

Subjekt und Objekt verschmelzen partiell, unbelebte Objekte erscheinen als lebendig, beseelt (Steine, Flüsse, magische, heilige Orte. Gegenstände, Rituale, Ereignisse und Geschichten können direkten Einfluss auf die Welt ausüben.

Rot – Die Weltsicht der Macht

Entfaltung des Ego, das sich von Stamm abhebt, Wünsche und Wille sollen sofort erfüllt werden (egozentrische Weltsicht), das Ego erlebt sich als Mittelpunkt der Welt. Aktionen sind eher impulsiv und nicht für die Zukunft geplant. Das Überleben des Stärkeren steht im Mittelpunkt, Machtausübung.

Bernstein/Blau – Mythische Weltsicht

Götter und Göttinnen regieren als tief fühlbare Mächte, Einmischung in irdische Angelegenheiten. Opfer für Gott und Vaterland, über die zugehörige Gruppe hinausgehend (Göttern dienen), klare Regeln geben dem Leben Sinn und Halt, ethnozentrische Perspektiven herrschen vor, Scharz-weiß-Denken. Autoritäten zeigen den richtigen Weg zu einem rechtschaffenen Leben. Heute Opfer bringen, morgen (in der Zukunft) Auszahlung.

Orange – Rationale Weltsicht

Rationale Weltsicht der Moderne, vertritt universelle Systme und prinzipien unabhängig von Gruppenloyalitäten. Streben nach Fortschritt, Erfolg, Unabhängigkeit, Leistung, Status und Wohlstand. Beispiel: wissenschaftliche Methodik (Wissenschaft und Technik sorgen für Verbesserung des Lebensstandards.

Grün – Pluralistische Weltsicht

Einnehmen zahlreicher verschiedener Blickwinkel möglich, keine Urteile über Tiefe, daher gelten Pluralismus und Gleichheit als angemessen. Im holistischen Netz des Lebens ist alles gleichermaßen verwoben. (Seit ca. 1960 – Bspl.: Umweltbewegungen, ganzheitliche Gesundheitsbewegung).

Petrol/Gelb – Weltsicht der integralen Systeme

Erkennen, dass jede Sicht wahr ist, aber nur partiell gültig. Einige Sichtweisen sind wahrer als andere (Tiefe). Jede vorhergehende Weltsicht erfordert Fürsorge und Rücksicht, nichts verschwindet. Fähigkeit und Interesse umfassendere und vielschichtigere Perspektiven einzunehmen, die es erlauben komplexe, miteinander zusammenhängende Systme zu erkennen und damit arbeiten zu können. Seinsbedürfnisse statt Mangelbedürfnisse. Gleichzeitige Anteilnahme an persönlicher Entwicklung wie auch am Wohlbefinden aller Menschen (weltzentrisch).

Türkis – Integrale holistische Weltsicht

Alle werden als Konstrukte erkannt, Vorliebe nicht für eine Perspektive, sondern für den Raum, in dem alle Perspektiven entstehen. Schätzen jede Bewusstseinebene, ohne blind für deren Begrenztheiten zu sein. Zunehmendes systemisches Bewusstsein und Tendenz sich mit diesen Systemen statt mit dem individuellen Selbst zu identifizieren. Denken durch Sehen (Schau-Logik).

Indigo – Über-integrale Weltsicht

Selbstwahrnehmung geht über das Persönliche hinaus (transpersonal), tranzendieren der Subjekt-Objekt-Beziehung, Beide entstehen in gegenseitiger Verbundenheit als Einheit, intuitive, flexible und fließende Beziehung zu Erfahrungen und Phänomenen. Ganzheiten werden blitzartig intuitiv erfasst. Ganzheiten werden gesehen, ohne die Dinge verbinden zu müssen.vgl. 9

Bewusstseinszustände

Zustände sind im Gegensatz zu Strukturen (Ebenen) vorübergehend und wechseln. Auch Zustände höherer Ordnung können auf jeder Ebene auftauchen, bilden jedoch keine Strukturen, sondern dienen, je gehäufter sie auftreten, Katalysatoren der Bewusstseinsentwicklung.

Phänomene in allen Quadranten durchlaufen Zustände: z.B. emotionale oder meditative Zustände (Ich), biologische Zustände wie Krankheit, Gesundheit (Es), Zwischenmenschliche, Beziehungszustände (Wir) oder wirtschaftliche oder politische Zustände (Sie).

Drei grundlegende Zustande sind Wachen, Träumen und traumloser Tiefschlaf.

Typen

Typen bezeichnen horizontale Unterschiede wie z.B. Mann und Frau. Sie beschreiben das Gewebe nicht die Struktur von Wachstumsentwicklung. Verschiedene Typen entwickeln sich (möglicherweise parallel) durch die verschiedenen Bewusstseinsebenen, tun dies jedoch auf unterschiedliche Arten, mit verschiedener Logik (z.B. Mann mit Schwerpunkten auf Regeln und Gerechtigkeitsempfinden, Frau mit Beziehungsorientierung, Verantwortlichkeit und Fürsorge usw.)

Typen sind nicht besser oder schlechter, sondern bezeichnen nur unterschiedliche Wege der Entwicklung.

Bezogen auf Persönlichkeit gibt es z.B. die Myers-Briggs-Typologie:

Lösungsorientierung

introvertiert – extrovertiert (Bezug auf Ideen und Überlegungen oder Austausch)

Informationsverarbeitung

empfindend – intuitiv (praktische, faktische Details, Anweisungen oder Ideensuche, Ahnungen)

Entscheidungsfindung

denkend – fühlend (Überlegungen, logisch oder gefühlsorientiert, persönliche Werte)


Literaturverzeichnis

ILP: Wilber, Patten, Leonard, Morelli, Integrale Lebenspraxis, Kösel, München 2010

1 Dies wird als »Integraler methodologischer Pluralismus« bezeichnet. Ein Weg, die Wahrheiten und Einsichten zahlreicher verschiedener Disziplinen zu achten, indem aufgezeigt wird, wir ihre jeweiligen Wege des Wissens alle zusammenpassen.

2 [ILP] Seite 100

3[ILP] Seite 103 ff

4[ILP] Seite 105

5[ILP] Seite 107

6[ILP] Seite 108

7[ILP] Seite 110 ff

8[ILP] S. 113-120

9[ILP] S. 125-132

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